Die SOS Kinderdörfer verstrickt sich in Widersprüche bei Datenschutzfragen. Alle Nachfragen für mehr Transparenz bleiben unbeantwortet. Ihre Unterzeichnung bei der “Initiative Transparente Zivilgesellschaft” scheint blanker Hohn. Hat die Spendenorganisation doch etwas zu verbergen?


Die SOS Kinderdörfer Organisation hatte mir zur Weihnachtszeit eine wenig nachhaltige Werbepost geschickt. Ich hatte daraufhin um Auskunft zu meinen gespeicherten Daten gebeten und auf das nicht Datenschutz-konforme Website-Tracking hingewiesen. Dabei verstrickte sich die Spendenorganisation nicht nur in Widersprüche, sondern zeigte auch eine traurig laxe Einstellung zum Datenschutz.

Da ich die Ziele der Hilfsorganisation grundsätzlich unterstütze und lieber über eine positive Entwicklung sprechen wollte, habe ich sehr geduldig sowohl beim Datenschutzbeauftragten als auch beim ursprünglich auskunftsfreudigen Pressesprecher nachgefragt.

Sämtliche Nachfragen vom 20.12.2019, 10.01.2020, 16.02.2020 und 21.02.2020, blieben allesamt unbeantwortet. Alle großzügig gesetzten Fristen, um endlich Transparenz in die Angelegenheit zu bekommen, ließ die Organisation fruchtlos verstreichen.

Überraschend erhielt ich heute, rund drei Monate nach der Erstanfrage, doch noch folgende E-Mail vom Pressesprecher:

E-Mail vom 06.03.2020

Selbstverständlich komme ich der Bitte um “aktuelle Darstellung” sehr gerne nach und veröffentliche nachstehend alle meine gestellten Fragen und den Hintergrund der Fragestellung – vollständig, wahrheitsgemäß und durch Fakten belegt.

Warum wurden meine Fragen zu den Selektionskriterien für die Werbepost, die unstrittig zu meinen Daten gehören, bis heute nicht beantwortet?

Welche Selektionskriterien wurden für die mir zugesandte Werbepost verwendet?

An SOS Kinderdörfer gerichtete Fragen
SOS Kinderdörfer: Umfangreiche Werbesendung - nicht nachhaltig.
Umfangreiche Werbepost der SOS Kinderdörfer

Fakt ist: Andere Hausbewohner in unserem Mehrparteienhaus erhielten keine Werbepost der SOS Kinderdörfer. Eine Selektion für den Werbeversand muss daher stattgefunden haben. Und diese kann nur auf Daten aus meinem Datensatz beruhen.

Welche Daten dies sind, will die Organisation jedoch nachhaltig nicht beantworten.

Durch welche Unternehmen erfolgte der Druck und der anschließende Versand der Werbepost?

Warum wurden diese Unternehmen bei der Beauskunftung (Datenweitergabe an Dritte) nicht benannt?

An SOS Kinderdörfer gerichtete Fragen

Fakt ist: Die Werbung – insbesondere mit zahlreichen Aufklebern mit meiner Adresse – wurde “irgendwo” gedruckt und für mich personalisiert. SOS Kinderdörfer gibt unter Ziffer 4 ihrer Beauskunftung vom 16.12.2019 an: “Es werden keine personenbezogenen Daten weitergegeben.”

Durch wen aber der Druck der Werbeträger erfolgte, lässt SOS Kinderdörfer leider unbeantwortet.

Ich hatte ausdrücklich angegeben, dass ich Ihrer Werbung nicht widerspreche und Sie explizit gebeten, meine Datenmerkmale (u.a. zum Werbewiderspruch) nicht zu verändern.

Warum haben Sie entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch die Merkmale geändert – und sogar bei einem Dritten in meinem Namen verändern lassen?

Wieso wurde durch Sie am 16.12.2019 in meinem Namen eine Anfrage zur Datenauskunft bei der AZ direct lanciert?

An SOS Kinderdörfer gerichtete Fragen

Fakt ist: Trotz meines Wunsches, meinen Datensatz nicht zu verändern, da es sich nur um ein einfaches Auskunftsersuchen handelte, antwortete der SOS Kinderdörfer Pressesprecher am 05.12.2019: “Wir bestätigen Ihnen gerne, dass wir Ihre personenbezogenen Daten künftig nicht mehr für werbliche Zwecke verarbeiten und nutzen werden.”

Fakt ist auch: Am 19.12.2019 erhielt ich von der AZ Direct, Gütersloh ein Schreiben zu meinem angeblichen “Auskunftsersuchen und Widerspruch”. Hierin heißt es: “Selbstverständlich kommen wir Ihrem Widerspruch nach und bestätigen Ihnen, dass wir Ihre personenbezogenen Daten nicht mehr für den Zweck der Direktwerbung verarbeiten.”

Da ich weder um Auskunft noch um Sperrung meiner Daten bei der AZ Direct gebeten hatte, fragte ich den Datenschutzbeauftragten der AZ Direct, wie es zu der Beauskunftung gekommen ist. Dieser antwortete, dies sei aufgrund einer “E-Mail von den SOS-Kinderdörfern” vom 16.12.2019 erfolgt – und entschuldigte sich auch gleich für dieses “Versehen”.

Beachtenswert ist daran insbesondere die Tatsache, dass SOS Kinderdörfer sich drei Tage nach der Veröffentlichung meines, von der Organisation viel beachteten Artikels, in dem ich mich bereits sehr irritiert über den angeblichen Werbewiderspruch zeige, trotzdem mit der Bitte um Widerspruch an die AZ Direct gewendet hat.

Auch die Frage, warum SOS Kinderdörfer erneut entgegen meiner Bitte agiert, blieb unbeantwortet – genauso wie der Hintergrund zur (leider nicht gesetzeskonformen) Auskunftsanfrage in meinem Namen bei der AZ Direct.

Wie kam es zu der angeblich falschen Beauskunftung zur Schweizer Herkunft meiner Daten?

Welche Geschäftsbeziehung unterhält die SOS Kinderdörfer mit der genannten Schweizer HMK V AG, Kreuzlingen?

Bezieht die SOS Kinderdörfer Adressdaten deutscher Werbe-Empfänger aus der Schweiz oder anderen (welchen) Ländern?

An SOS Kinderdörfer gerichtete Fragen

Fakt ist: Der Pressesprecher der SOS Kinderdörfer beantwortete am 05.12.2019 die Frage zur Herkunft meiner Daten mit: “Ihre Adresse haben wir von HMK V AG, Leubernstrasse 6, CH-8280 Kreuzlingen.”

Bei der schriftlichen Beauskunftung vom 16.12.2019 wurde sodann die AZ Direct aus Gütersloh als Datenlieferant benannt.

Die Fragen zum Hintergrund des “Irrtums” sowie zur Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen ließ SOS Kinderdörfer ebenfalls unbeantwortet und agiert weiter intransparent.

Warum werden die Vorgaben der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz nachhaltig missachtet?

Wieso fließen bis heute, 21.02.2020, immer noch Daten *ohne vorherige Einwilligung* beim Besuch Ihrer Website zu Google (insb. Google Tag Manager & Google Fonts)?

An SOS Kinderdörfer gerichtete Fragen

Fakt ist: Zum heutigen Tage hat SOS Kinderdörfer ihr Website-Tracking-Verhalten endlich umgestellt und es werden jetzt auch keine Schriftarten (Fonts) mehr von Google geladen. Wenigstens ein kleiner Erfolg für den Datenschutz!

Warum dennoch ohne meine Einwilligung personenbezogene Daten (in Form meiner IP-Adresse) an Google gehen, wie nachstehender Screenshot belegt, bleibt wohl ein weiteres Geheimnis der Spendenorganisation.

Netzwerkanalyse vom 06.03.2020 zeigt Datenweitergabe zu Google

Wie ist die Haltung der SOS Kinderdörfer generell zum Datenschutz?

Warum wurden meine Fragen bisher nicht beantwortet?

An SOS Kinderdörfer gerichtete Fragen
E-Mail vom 05.12.2019

Fakt ist: Zumindest der Pressesprecher bagatellisierte im Dezember die eigenen Verstöße und zeigt eine nicht nachvollziehbare Haltung zum Datenschutz, die bis heute nicht revidiert wurde: “Wenn ich im Netz unterwegs bin, haben (zumindest gefühlt) 99 Prozent aller Websites noch immer die alte Zustimmungslösung.”

Eine Antwort auf die gestellten Fragen zur Haltung und warum keine Transparenz geübt wird blieb ebenso unbeantwortet.

Transparenz vorspiegeln – aber nicht üben

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang, dass sich die SOS Kinderdörfer Website mit dem Siegel der “Initiative Transparente Zivilgesellschaft” schmückt. Sie gibt sogar an “weltweit zu den Erstunterzeichnern der Initiative” zu gehören. Entgegen den Zielen der Initiative ist die SOS Kinderdörfer offenbar aber überhaupt nicht willens, Transparenz zu üben.

Aus meiner Sicht ein unglaubliches Verhalten einer Spendenorganisation, mit Fragen besorgter Bürger und potentieller Spender umzugehen.

Screenshot www.sos-kinderdoerfer.de, Rote Markierung: Autor

Mein Vertrauen in die SOS Kinderdörfer ist damit komplett verloren gegangen.

Einer Organisation, die scheinbar etwas zu verbergen hat und derart nachlässig im Datenschutz agiert, möchte ich bestimmt keine Spenden anvertrauen.

Christian Bennefeld

Ich gebe es auf, weiter bei SOS Kinderdörfer nachzufragen und auf die selbst proklamierte Transparenz zu hoffen. Aber ein Fernsehsender findet das Thema spannend


Selbstverständlich ergänze ich diesen Bericht weiter, falls sich doch noch etwas in der Sache bewegt.

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Den ursprünglichen Artikel über die Datenschutzprobleme bei den SOS Kinderdörfern sowie weitere Artikel wie traurig Unternehmen bei Auskunftsanfragen reagieren lesen Sie in unserem Betroffenen-Blog.